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Bademeister
Zwischen Sicherheit und Sommerlaune – Bademeister in Nebikon
In der Badi Nebikon sorgt der Bademeister Hubert Frei mit seinem Team für Sicherheit und Ordnung – und kämpft dabei oft gegen Nachlässigkeit
Text/Bilder: Maria Steinmayr
«Hubi, Hubi mich hett es Biendli gstoche!» Die kleine Amira humpelt dem Bademeister entgegen. Aufgelöst blickt sie ihn an. Der Bademeister Hubert Frei holt den Verbandskasten. Nach wenigen Minuten ist alles vergessen und das Mädchen hüpft froh durch die Badi Nebikon.

Zu den Aufgaben des Bademeisters zählt allerdings nicht nur, Kinder zu verarzten, am Beckenrand zu stehen und Jugendliche zu ermahnen, wenn sie zu dritt rutschen.
«Unser Ziel ist eine sichere Badi, in der sich alle wohlfühlen», sagt Hubert Frei.
Der Beruf umfasst weitaus mehr – vor allem, um die Sicherheit der Badegäste zu gewährleisten. Das war schon immer so. Bevor Frei Bademeister wurde, war er Bauleiter. Vor zehn Jahren übernahm er dann die Badi Nebikon und ist somit auch der Betreiber. Zwar war das nie sein Ziel, doch er fühlt sich wohl in seinem Beruf. «Man muss das wirklich wollen», sagt er – und Hubert Frei will. Die Tage sind lang. Morgens wischt er die Tische ab, stellt die Sonnenschirme auf und führt die Chlorkontrolle durch. Abends sammelt er Müll ein, reinigt den Badebereich und bereitet alles für den folgenden Tag vor. «Wenn es jemandem genügt, am Beckenrand zu stehen, dann ist das ok – mir würde das allerdings nicht reichen.»

Die alte und zugleich neue Badi
Zehn Jahre lang führt Frei bereits die Badi – und sie hat ihren Charakter bewahrt. Seit ihrer Eröffnung im Jahr 1964 strahlt sie denselben familiären Charme aus. Trotz ihrer bescheidenen Grösse bietet die Badi Nebikon bis heute Platz für alle. Im Jahr 2012 wurde die Anlage für rund fünf Millionen Franken umfassend saniert: Seither glänzen Chromstahlbecken anstelle der alten Betonbecken. Auch die Gartenwirtschaft, die Garderoben und das Kinderparadies wurden modernisiert.
Zu den wichtigen Anlagen gehören auch die Reinigungs- und die Mischanlage: Neben dem Sauger sorgt auch die Chlormischanlage dafür, dass das durch viele Badegäste verunreinigte Wasser sauber bleibt; zweimal täglich misst Frei die Wasserqualität.
Im Wasser landen Bakterien und Harnstoffe. Nicht nur vom Urin, sondern auch vom Fett der Haut. Deshalb sei es sehr wichtig, vor dem Baden zu duschen, betont der Bademeister: «Wir erinnern die Menschen immer wieder daran und haben sogar Infotafeln aufgestellt, doch viele duschen trotzdem nicht.» An Spitzentagen kommen bis zu 2000 Gäste in die Badi. Dann stossen sowohl das Becken als auch das Personal an ihre Grenzen. «Bei großen Menschenmassen und Wärme verpufft das Chlor schnell. Das ist vor allem, weil Regeln nicht befolgt werden. Heutzutage ist das ein Wohlstandsproblem.» Das gelte auch fürs Liegenlassen von Müll auf der Liegewiese. Frei’s Wunsch: Mehr Rücksicht und Wertschätzung für die Anlage, so dass zum Beispiel nach dem Beachvolleyball der Sand wieder glattgezogen wird.
Ähnlich sieht dies auch Hans-Peter Müller, der zweite Bademeister im Team Nebikon. In seiner nunmehr sechsten Saison zeichnet sich auch laut ihm ein ähnliches Bild ab. Vor allem die Sicherheit sei ein stetig wachsendes Thema. Immer wieder sehen die Bademeister unbeaufsichtigte Kinder, die im Wasser spielen. «An heissen Sonntagen sind das oft vier bis fünf Kinder, die wir alleine antreffen und zu ihren Eltern zurückbringen. Die Aufsichtsperson ist meist weit entfernt. «Unfälle können sehr schnell passieren, deshalb ist es wichtig die Kinder nicht aus den Augen zu lassen.» Denn verantwortlich sind immer noch die Eltern. Die Bademeister versuchen diese zu sensibilisieren und an ihre Pflichten zu erinnern.
Bis zu vier Personen haben in der eher kleinen Badi in Nebikon an solchen Tagen Aufsicht – mit ein Grund, warum dort sehr wenig passiert. Abgesehen von Bienenstichen und aufgeschürften Knie kommt es selten zu Unfällen. «Es kann passieren, dass jemand am Sprungbrett ausrutscht, aber das ist fast unvermeidbar.» sagt Frei. «Wir sind sehr achtsam, und vermitteln Präsenz.» So können viele Gefahrensituationen vermieden werden.
Während unseres Gesprächs mit dem Badmeister steuert eine Schwimmerin auf Hubert Frei zu: «Danke Hubi, dass du heute morgen schon hier warst, das Frühschwimmen ist immer so schön.» Der Bademeister lächelt.
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